Ein Gespräch, das Leben verändert!
- Evelyn Gerstl
- 11. Mai
- 3 Min. Lesezeit
„Notwendiges Übel“ oder „weibliche Power“?
Wie wir Frauen unsere Menstruation betrachten, liegt meiner Meinung nach in der Aufklärung darüber. Das Alter von 10-14 Jahren ist der Übergang vom Mädchen zur jungen Frau. Eine Zeit voller Wunder und neuer Horizonte – jedoch auch voller Fragen, die ungefragt bleiben.
Während diesem Lebensabschnitt bekommen viele Mädchen das erste Mal ihre Periode und spüren auch die ersten Zeichen ihres Zyklus. Es ist so wichtig, genau in dieser Zeit anzusetzen und über die Veränderungen und Auswirkungen der einzelnen Phasen zu sprechen. Dies bildet eine starke Basis für das eigene Körperbewusstsein, den Selbstwert und die Gesundheit.
In Schulen wird über den Zyklus oft leider nur das Nötigste gesagt. Es werden ein paar biologische Abläufe und ein paar Fachbegriffe erklärt, aber kaum jemand spricht darüber, was das für die Mädchen wirklich bedeutet: Wie sich der weibliche Zyklus auf das Wohlbefinden, die Emotionen, die Konzentration oder auch die Energie auswirkt. Wie die jungen Frauen im Einklang mit ihren Phasen leben können, statt dagegen zu arbeiten.
1. Körperliche Selbstwirksamkeit - wenn das Wissen zur Kraft wird
Hätte ich damals als Mädchen schon verstanden, was in meinem Körper geschieht, dann hätte ich auch so viel eher begreifen können, dass mit mir alles in Ordnung ist. Durch dieses Wissen geben wir den angehenden Frauen etwas Handfestes mit: SELBSTWIRKSAMKEIT.
Außerdem werden Themen wie die Periodenblutung, die Nutzung von Hygieneartikeln, die Zyklusphasen, die hormonellen Veränderungen real, greifbar und bleiben nicht länger so geheimnisvoll.
Laut der American College of Obstetricians and Gynecologists sollten Mädchen aufgeklärt werden, „dass Menstruation ein normaler Teil der Entwicklung ist und sie über die Nutzung von Hygienematerialien sowie über das, was ein normaler Blutfluss ist, informiert werden sollten.“
Wenn diese Wissensbasis gelegt ist, dann kann ich bei den Mädchen ein Gefühl von „Ich kenne meinen Körper. Ich achte ihn und nehme ihn ernst.“ entstehen lassen. Wer versteht, was los ist, ist in der Lage besser zu handeln – bei Schmerzen, beim Unwohlsein oder auch bei Fragen.
2. Emotional-sozialer Raum - weniger Scham, mehr Gemeinschaft
Was für eine emotionale Achterbahnfahrt doch die Pubertät ist. Die Mädchen durchleben emotionale Phasen, die schlagartig von oben nach unten oder von links nach rechts ausschlagen können.
Die Pubertät bringt nicht nur körperliche Veränderungen, sondern auch Emotionen wie Zweifel, Scham und Unsicherheit. Wenn die jungen Frauen dann nicht auf diese Gefühle vorbereitet sind, kann das zu Rückzug, Peinlichkeit oder eventuell sogar zu Schulfehlzeiten führen. Wie die Ergebnisse dieser Umfragen unter österreichischen Jugendlichen zeigen, ist der Informationsbedarf enorm hoch. Ich bin der Meinung, dass die Aufklärung über den weiblichen Zyklus auch dazu beitragen kann, diese Scham abzubauen, dieses Thema zu normalisieren und Verbindung zwischen den jungen Menschen zu schaffen.
Die Studie „It always gets pushed aside“ erklärt:
„Adolescent girls … validated the importance of prioritising puberty and menstruation education in schools … Many girls reported feeling too embarrassed to bring up the topic“
Wenn wir als Gemeinschaft – Familien, Schulen, Freundinnen – diese Gespräche öffnen, schaffen wir Raum für Verbundenheit. Kein Mädchen mehr, das denkt: „Ich bin allein damit.“ Sondern: „Ich bin gesehen. Ich bin verstanden.“
Zusätzlich möchte ich erwähnen, dass ich bei der Recherche zum Thema weiblicher Zyklus bzw. die Aufklärung über den weiblichen Zyklus für junge Mädchen keinerlei europäische oder gar österreichische Studien gefunden habe und ich dazu gezwungen war amerikanische Zitate oder Studien heranzuziehen. Dies war für mich mitunter ein Grund noch mehr Zeit und Energie zu verwenden, Mädchen bereits zwischen 10 und 14 Jahren darüber aufzuklären zu wollen.
3. Gesundheitlich und zukunftsweisend - Wissen ist Prävention
Das Wissen über den Zyklus bedeutet nicht nur Klarheit und Informationen zu bekommen, sondern auch das Wahrnehmen gesundheitlicher Signale zu erlernen. Wenn die Mädchen schon vorher wissen, was „normal“ oder „in der Norm“ ist (Zyklusdauer; die Bedeutung starker Schmerzen und/oder Blutungen), sind sie besser darauf vorbereitet sich im Falle von Unregelmäßigkeiten Unterstützung zu holen.
Zudem verweist die World Bank darauf, dass Menstruations- und Hygienebildung nicht nur eine individuelle Bedeutung haben, sondern Teil von Frauen- und Mädchen-Empowerment sind:
„Good menstrual hygiene management plays a fundamental role in enabling women and girls to reach their full potential.“
„Wenn Mädchen ihren Körper verstehen und würdigen lernen, legen sie eine Basis, auf der sie ihr Leben aktiv gestalten können – in Gesundheit, Selbstwert und Freiheit.“
Quelle: Menstrual Health and Hygiene
Mein Fazit: Immer mehr junge Frauen suchen nach dieser Aufklärung. Indem wir als Zyklusmentorinnen Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren über ihren Körper aufklären – über den Zyklus, seine Auswirkungen, seine Signale – schenken wir ihnen eine Basis. Ein Fundament, auf dem sie stehen, wachsen, sich entfalten und ihr späteres Frausein aufbauen können – in Wertschätzung und Verbundenheit.



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